Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum Museum, Archiv, Kulturzentrum jüdischen Lebens, Veranstaltungsort, Erinnerungsstätte Mit ihrer ständigen Ausstellung „Tuet auf die Pforten“ zeichnet die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum die Geschichte des Hauses und das mit ihm verbundene Leben nach.

Die meisten Gegenstände, die etwas über das Haus erzählen könnten, wurden zerstört. Aber bei den Sicherungsarbeiten, die der Rekonstruktion der erhalten gebliebenen historischen Bausubstanz vorangingen, wurden einige architektonische Fragmente sowie Teile der Inneneinrichtung entdeckt. Sie stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Ein Rundgang durch die Ausstellung vermittelt anhand verschiedener Dok

Die meisten Gegenstände, die etwas über das Haus erzählen könnten, wurden zerstört. Aber bei den Sicherungsarbeiten, die der Rekonstruktion der erhalten gebliebenen historischen Bausubstanz vorangingen, wurden einige architektonische Fragmente sowie Teile der Inneneinrichtung entdeckt. Sie stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Ein Rundgang durch die Ausstellung vermittelt anhand verschiedener Dok

Wie gewohnt öffnen

Chag sukkot sameach!
21/09/2021

Chag sukkot sameach!

Chag sukkot sameach!

Wir wünschen allen ein friedliches Jom Kippur.Gmar chatima tova.
15/09/2021

Wir wünschen allen ein friedliches Jom Kippur.
Gmar chatima tova.

Wir wünschen allen ein friedliches Jom Kippur.
Gmar chatima tova.

09/09/2021

Aufruf jüdischer Organisationen und Verbände zur Bundestagswahl 2021:

Die AfD ist KEINE Alternative bei der Bundestagswahl. Wählen Sie am 26. September 2021 eine zweifelsfrei demokratische Partei und helfen Sie mit, die AfD aus dem Deutschen Bundestag zu verbannen!

www.juden-afd.de

#NoAfd #KeineAlternative

Zentralrat der Juden in Deutschland
World Jewish Congress
European Jewish Congress
Claims Conference (Conference on Jewish Material Claims Against Germany)
Makkabi Deutschland e.V.
Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland - ARK
ORD - Orthodoxe Rabbinerkonferenz - das Rabbinat Deutschland
Union Progressiver Juden
BtJ Bund traditioneller Juden
Abraham Geiger College
Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
Bundesverband Jüdischer Mediziner e.V.
ZWST
AJC Berlin
Jüdischer Nationalfonds - Keren Kayemeth LeIsrael Deutschland
Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern K.d.Ö.R
Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein
Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen
Synagogen Gemeinde Saar
Landesverband israelitischer Kultusgemeinden Bayern
Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs
Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen
Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern
Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein
Landesverband der Jüdischen Gemeinden Brandenburg
Israelitische Religionsgemeinschaft Baden
Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe
Jüdische Landesgemeinde Thüringen
Landesverband jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt
Landesverband der Jüdischen Gemeinden Brandenburg
Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen
Jüdische Gemeinde Im Lande Bremen
Jüdische Gemeinde Frankfurt
Synagogen-Gemeinde Köln
Lauder Yeshrun
WIZO Deutschland
WerteInitiative. jüdisch-deutsche Positionen
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
JSUD - Jüdische Studierendenunion Deutschland
EUJS - European Union of Jewish Students
VJSB - Verband Jüdischer Studenten in Bayern
VJSNord
BJSB
Jüdische Allgemeine
haGalil.com
Jüdisches Europa
JFDA - Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus
ILI - I Like Israel
Honestly Concerned e.V.
Limmud.de
Leo Baeck Foundation
Dagesh. Jüdische Kunst im Kontext
Jehi Or Jüdisches Bildungswerk für Demokratie-gegen Antisemitismus GUG
Dialog Perspektiven
Europäische Janusz Korczak Akademie e.V. (EJKA e.V.)
ZJD
Scholars for Peace in the Middle East (SPME)
OFEK e.V. - Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung
Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment
Jüdischer Frauenbund
Masorti Germany

Shana Tova!We wish you a sweet and happy New Year 5782.
06/09/2021

Shana Tova!
We wish you a sweet and happy New Year 5782.

Shana Tova!
We wish you a sweet and happy New Year 5782.

Photos from achtung berlin - new berlin film award's post
05/09/2021

Photos from achtung berlin - new berlin film award's post

Am kommenden Wochenende ist wieder Eintrittsfreier Museumssonntag. Neben unseren zahlreichen Ausstellungen können sich  ...
03/09/2021

Am kommenden Wochenende ist wieder Eintrittsfreier Museumssonntag. Neben unseren zahlreichen Ausstellungen können sich kreative Köpfe noch für unseren Bastelworkshop anmelden:

[email protected]

Unter dem Motto "Viele gute Wünsche für ein süßes neues Jahr!" basteln wir gemeinsam jüdische Neujahrskarten. In diesem Jahr beginnt das jüdische Neujahrsfest, Rosh ha-Shana, zu dem traditionell Glückwunschkarten verschickt werden, am Abend des 6. Septembers. Die Teilnehmer*innen lernen bei einem kurzen Rundgang durch die Ausstellung den jüdischen Jahreszyklus und Traditionen zu Rosh ha-Shana kennen. Anschließend lassen sie sich von historischen Karten aus Deutschland und israelischen aus unterschiedlichen Jahrzehnten inspirieren und kreieren eigene Glückwunschkarten. Besonders freuen wir uns auf Kinder und Familien.

Uhrzeit: 10:30 - 12:30 Uhr / Treffpunkt: Museumskasse

02/09/2021

Spannung, Stolz, Vorfreude – mit großen Gefühlen sehen sechs junge Polizistinnen und Polizisten einer Ausstellungseröffnung entgegen. „Jüdisches Leben und Polizei – Vergangenheit trifft Gegenwart“ heißt sie und wurde gestern in der Neuen Synagoge eröffnet. Sie selbst haben den historischen Teil vorbereitet. Dafür recherchierten sie monatelang in alten Akten und im Archiv der Polizeihistorischen Sammlung – während des Studiums noch in einer größeren Gruppe. Was können wir aus der Vergangenheit für unser heutiges Selbstverständnis als Polizist und Polizistin lernen? Welche Rolle spielt Haltung in diesem Beruf? Um diese Fragen zu beantworten, standen drei Persönlichkeiten der Berliner Polizei im Fokus: Bernhard Weiß, Wilhelm Krützfeld und Martha Mosse. In der NS-Zeit versahen sie ihren Dienst in der Hauptstadt. So unterschiedlich ihre persönlichen Biografien sind, vereint sie eines: Sie standen mit ihrem Handeln für Gleichheit und Gerechtigkeit und für den Schutz aller Menschen ein, und das im dunkelsten Kapitel der Polizeigeschichte.

In drei Teilen veröffentlichen wir hier die Zusammenfassungen der Biografien, die unsere Kolleginnen und Kollegen bei ihrer historischen Forschungsarbeit zusammengestellt haben. Im zweiten Teil geht es heute um den ehemaligen Polizeivizepräsidenten Bernhard Weiß:

Bernhard Weiß erblickte am 30. Juli 1880 in Berlin das Licht der Welt. Seine Eltern, Max Weiß (1843-1926) und Emma, geb. Strelitz (1856-1892), stammten beide aus jüdischen Familien. Der Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann im Getreidegroßhandel, wodurch die Familie Weiß auch nach seinem Tod finanziell abgesichert war. Neben Bernhard gab es noch weitere Kinder: Zwei ältere Schwestern, die jedoch früh verstarben, und drei jüngere Brüder – Franz, Adolf und Konrad. Bernhard Weiß wurde nach seinem Großvater väterlicherseits benannt, einem Arzt, der 1807 in Schlesien geboren wurde.

Prägung

Die Familie Weiß bekannte sich klar zur deutschen Nation. Ihr Selbstverständnis entsprach der Programmatik des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (CV), der im Jahre 1893 als Reaktion auf zunehmend antisemitische Tendenzen in Politik und Gesellschaft gegründet worden war. Dieser Verein war der bedeutendste und mitgliederstärkste Zusammenschluss innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, deren Mehrheit sich bewusst als „deutsche Juden“ verstand.

Bildung

Nach Beendigung der Volksschule besuchte Bernhard Weiß das traditionsreiche „Französische Gymnasium“ am Berliner Reichstagsufer, wo der Anteil jüdischer Schüler überdurchschnittlich hoch war. 1892 starb seine Mutter Emma im Alter von 35 Jahren, was vor allem für den erst elfjährigen Bernhard und seine jüngeren Brüder eine psychische wie physische Belastung darstellte. Die Ärzte rieten zu einer zeitweisen Trennung vom Berliner Elternhaus, und so zog der gesundheitlich labile Bernhard nach Rudolstadt (Thüringen), wo er 1900 sein Abitur ablegte.
Bernhard Weiß entschloss sich für ein Studium der Rechtswissenschaften. An der bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde er 1904 schließlich zum Doktor der Rechts- und Staatswissenschaften (Dr. jur. et rer. pol.) promoviert.

Bayerische Armee

Nach seiner Promotion unterbrach Weiß seine weitere juristische Ausbildung und trat in die Bayerische Armee ein, in der er bis 1918 diente. Diese Zeit sollte für sein weiteres Leben in besonderer Weise prägend werden. In seiner Offiziersakte wurden seine außergewöhnlichen Leistungen im Ersten Weltkrieg betont und ihm besondere Belastbarkeit und Tatkraft bescheinigt.

Polizeikarriere im Kampf gegen den Nationalsozialismus

Im Sommer 1918 wurde Weiß als stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei in Berlin in den Preußischen Polizeidienst aufgenommen. 1925 wurde er Leiter der Kriminalpolizei und damit verantwortlich für rund 2400 Kriminalbeamte. Nach kaum zweijähriger Amtszeit wurde er 1927 schließlich zum Polizeivizepräsidenten ernannt.
Von Außenstehenden wurde Bernhard Weiß als Kämpfernatur beschrieben, die systematisch gegen illegale Aktivitäten vorging. Weiß setzte sich genauso konsequent gegen Linksextremismus wie Rechtsextremismus ein. Deswegen war er besonders der aufkommenden NSDAP ein Dorn im Auge.

Er wurde als jüdischer Berliner Polizeivizepräsident Opfer regelmäßiger Diffamierungskampagnen unter dem damaligen „Gauleiter von Berlin“ Joseph Goebbels, der Weiß wegen seiner jüdischen Herkunft stets als „Isidor“ bezeichnete und den Schmähbegriff „ViPoPrä“ (für Vizepolizeipräsident) gegen ihn einführte. Weiß schlug zurück und überzog Goebbels mit mehr als 60 erfolgreich verlaufenen Beleidigungsanzeigen. Vor allem schlug Weiß ein Verbot der NSDAP vor, konnte sich aber nicht gegen die anderen Länder durchsetzen.

Auszug aus B. Weiß, „Mehr Selbstbewußtsein“, in: C.V.–Zeitung Nr. 23 vom 3. Juni 1932:

„Jetzt aber […], da heißt es plötzlich: der Jude muß sich zurückhalten. […] Ein in Beamtenstellung stehender Jude darf nach dieser Auffassung also die Pflichten seines Amtes nicht erfüllen, wenn er sich hierbei im Einzelfalle gegen grundsätzliche Judengegner wenden muß. Die natürliche Folge: Kein Jude darf eine Staatsstellung bekleiden, die ihn in „Kollisionen“ mit Judengegnern führen könnte, mit anderen Worten: kein Jude darf Verwaltungsbeamter, darf Richter oder ähnliches Organ des Staatswillens werden. […]
Eine Welle des Antisemitismus hat sich über unser deutsches Vaterland ergossen, von der wohl kein einziger Jude verschont bleibt. Nichts Unwürdigeres und Erbärmlicheres aber gibt es in solcher Lage, als schwächlich und mutlos den Kampf aufzugeben. […] Je mehr man uns angreift, desto lebendiger und kraftvoller wollen wir aufrechten, selbstbewußten deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens uns zur Wehr setzen, vor allem aber […] sachlich und unerschrocken für das Wohl der Volksgesamtheit unsere Pflicht erfüllen, jeder an dem Platze, an den das Schicksal ihn gestellt hat.“

Konsequent und gewissenhaft verfolgte Weiß Straftaten von Nationalsozialisten. Große öffentliche Aufmerksamkeit erregte ein von ihm persönlich geleiteter Polizeieinsatz im Plenarsaal des Reichstages am 12. Mai 1932. Nachdem mehrere NSDAP-Abgeordnete einen Journalisten zusammengeschlagen hatten, stürmte er mit seinen Polizeikräften die Versammlung und verhaftete die tatverdächtigen Abgeordneten.

Im Rahmen des „Preußenschlages“ (die amtierende Regierung wurde abgesetzt und das Land Preußen direkt der Reichsregierung unterstellt) wurde Weiß, zusammen mit anderen Polizeiführern und preußischen Regierungsmitgliedern, im Juli 1932 seines Amtes enthoben.

Exil

Nachdem die Regierungsgewalt am 30. Januar 1933 an Hi**er übergeben wurde, lebte Weiß zunächst weiter in Berlin. Im März 1933 wurde durch die Gestapo ein Haftbefehl gegen ihn erlassen und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Als seine Wohnung gestürmt und geplündert wurde, entkam Weiß durch den Hinterausgang und verbarg sich mit seiner Frau fortan an wechselnden Orten. Schließlich floh er mit Hilfe von Kollegen zunächst nach Prag, wo er mehrere Monate verbrachte. Im August 1933 erschien sein Name zusammen mit 32 anderen Namen auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches. Anfang 1934 floh Weiß mit seiner Frau mit tschechoslowakischen Pässen nach London und gründete dort eine kleine Grafikfirma.
Nach dem Ende des Krieges besuchte Bernhard Weiß Berlin erstmals wieder 1949. Sein größter Wunsch war es, nach Berlin zurückzukehren.

In einem Brief an seine Tochter Hilde schrieb er 1949 nach diesem Besuch:
„Kannst Dir nicht vorstellen, wie sich die Berliner mit Isidor gefreut haben. Selbst auf der Straße sprechen mich Leute an, ob ich nicht der frühere Vipoprä bin […] Haus in Dahlem unsagbar schön. Der Nußbaum voll der schönsten Nüsse, Apfel- und Birnbäume voll der herrlichsten Früchte […] Und die Freude, als ich im P.P. erschien – unbeschreiblich.“ (aus: Blätter für Deutschtum und Judentum)

Der Berliner Bürgermeister Ernst Reuter bot ihm ein Amt mit Beratungsfunktion im Polizeidienst an. Aus gesundheitlichen Gründen kam es nie dazu. 1951, kurz vor der Wiedererlangung der deutschen Staatsbürgerschaft, starb Weiß in London an Krebs.

In „Winke für meine Beisetzung“ (aus: Joachim Rott, „Ich gehe meinen Weg ungehindert geradeaus“, Berlin 2010, S. 159) wird Weiß mit folgenden Worten zitiert:
„Wenn ein Rabbiner am Grabe sprechen soll, dann nur einer, der meinen unvergleichlichen Vater und meine gute Mutter kannte, das heißt Baeck oder Warschauer […] Die Rede soll nicht auf einen Trauerton gestimmt sein. Ich gehe fröhlich in den Tod, mit Gottvertrauen […] Ein herrliches, glückliches und erfülltes, gesegnetes Leben ist zu Ende gegangen […] Auch die etwaige Musik soll nicht an die Tränendrüsen appellieren. Nichts Sentimentales, sondern etwas Herbes, Aufbauendes wie ‚Ich hatt‘ einen Kameraden!‘“

Ehrung und Vermächtnis

Bernhard Weiß bekleidete in schwierigen Zeiten drei wichtige Ämter, die die junge Weimarer Republik in ihrer Hauptstadt zu vergeben hatte. Auch im republikanischen Preußen war es keine Selbstverständlichkeit, dass ein jüdischer Deutscher in so hohe Ämter berufen wurde. Er hat sie seiner hohen Leistungsbereitschaft, seiner Arbeitsdisziplin und seinem starken Charakter zu verdanken. Bis heute spielt Bernhard Weiß eine wichtige Rolle für das Selbstverständnis der Polizei Berlin. Als Kämpfer gegen den Nationalsozialismus verkörpert er Entschlossenheit, Gerechtigkeitssinn und ein freiheitlich-demokratisches Denken.

Der Bund jüdischer Soldaten innerhalb der Bundeswehr verleiht seit 2007 die „Bernhard-Weiß-Medaille für Verständigung und Toleranz.“

Auf Initiative des Förderkreises der Polizeihistorischen Sammlung benannte der Berliner Senat einen Teil der Otto-Braun-Straße in Berlin-Mitte 2011 nach Bernhard Weiß.

02/09/2021

Spannung, Stolz, Vorfreude – mit großen Gefühlen sehen sechs junge Polizistinnen und Polizisten einer Ausstellungseröffnung entgegen. „Jüdisches Leben und Polizei – Vergangenheit trifft Gegenwart“ heißt sie und wurde heute in der Neuen Synagoge eröffnet. Sie selbst haben den historischen Teil vorbereitet. Dafür recherchierten sie monatelang in alten Akten und im Archiv der Polizeihistorischen Sammlung – während des Studiums noch in einer größeren Gruppe. Was können wir aus der Vergangenheit für unser heutiges Selbstverständnis als Polizist und Polizistin lernen? Welche Rolle spielt Haltung in diesem Beruf? Um diese Fragen zu beantworten, standen drei Persönlichkeiten der Berliner Polizei im Fokus: Bernhard Weiß, Wilhelm Krützfeld und Martha Mosse. In der NS-Zeit versahen sie ihren Dienst in der Hauptstadt. So unterschiedlich ihre persönlichen Biografien sind, vereint sie eines: Sie standen mit ihrem Handeln für Gleichheit und Gerechtigkeit und für den Schutz aller Menschen ein, und das im dunkelsten Kapitel der Polizeigeschichte.

In drei Teilen veröffentlichen wir hier die Zusammenfassungen der Biografien, die unsere Kolleginnen und Kollegen bei ihrer historischen Forschungsarbeit zusammengestellt haben. Den Anfang macht das ehemalige „Revier 16“ am Hackeschen Markt und die Rolle des Reviervorstehers Wilhelm Krützfeld, insbesondere zur Progromnacht:

Nach der Machtübergabe an Hi**er im Jahr 1933 wurde mit einer „Säuberung“ der Polizei begonnen, wobei politisch unliebsame Beamte und auch solche „nicht arischer Abstammung“ aus dem Dienst entfernt wurden. Dies betraf vor allem Juden und Sozialdemokraten. Allerdings waren bereits im Sommer 1932 im Zuge des Papen-Putsches (Ablösung der sozialdemokratischen Regierung in Preußen) viele kritische Polizeibeamte entlassen worden. Viele Polizeibeamte passten sich an oder hatten sich bereits zuvor mit der nationalsozialistischen Ideologie identifiziert, waren also nicht demokratisch, sondern antidemokratisch eingestellt. Da sich der NS-Staat als Polizeistaat darstellte, gewannen die Polizeibehörden in kürzester Zeit massiv an Macht, was durch viele Polizeibeamte begrüßt wurde. Ferner kam es immer mehr zu einer Vermischung von SS und Polizei.
Auch das Bild eines „idealen Polizeibeamten“ veränderte sich: So war es nun wichtig, die nationalsozialistischen „Werte“ verinnerlicht zu haben, sich dem System bedingungslos zu ergeben und „arischer Abstammung“ zu sein. Als Polizeibeamter gegen das NS-Regime zu agieren, war aufgrund der Kontrolle durch die Kollegen nur schwer möglich. So verhielt es sich auch in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als es im gesamten Deutschen Reich zu Terrorakten gegen Juden kam, die von staatlicher Seite als „spontane Aktionen des Volkszorns“ dargestellt wurden, und bei denen alle Staatspolizeistellen angewiesen wurden, Demonstrationen und gewalttätige Aktionen gegen Juden gerade nicht zu verhindern.

Das Revier 16, mit seiner Dienststelle am Hackeschen Markt im Herzen Berlins gelegen, umfasste mit dem Quartier rings um die Oranienburger Straße auch eines der Zentren jüdischen Lebens in der Stadt. Hier gab es Polizeibeamte, welche jüdische Einrichtungen vor Razzien warnten oder ihnen hilfreiche Papiere besorgten.

In der Pogromnacht vom November 1938 stellte sich der Polizeibeamte Otto Bellgardt der SA entgegen und verhinderte so die vollständige Zerstörung der Neuen Synagoge. Der Reviervorsteher Wilhelm Krützfeld deckte seinen Untergebenen und berief sich dabei geschickt auf das sogenannte „Heimatschutzgesetz“, welches bereits 1934 „zum Schutze von Kunst-, Kultur- und Naturdenkmalen“ erlassen worden war. Erstaunlich ist, dass Krützfeld für dieses Vorgehen von seinem Vorgesetzten lediglich gerügt wurde und es anscheinend keine weiteren dienstlichen Sanktionen gab.

Die reviereigene Meldestelle wurde durch ihren Leiter Willi Steuck auch über die Reviergrenzen hinaus als Anlaufstelle für Hilfesuchende bekannt. Nur von wenigen weiteren Kollegen sind überhaupt die Nachnamen bekannt: Prohaska, Junghans und Nowak.

Im Revier 16 herrschte ein positiver Zusammenhalt und man hat sich wahrscheinlich gegenseitig gedeckt, anders wäre dieses Ausmaß an Hilfe kaum möglich gewesen. Später wurde Krützfeld versetzt und Steuck bei einem couragierten Auftritt für seine Mitbürger in den letzten Kriegstagen standgerichtlich erschossen, jedoch lässt sich kein direkter Zusammenhang zu den Ereignissen im November 1938 herstellen.

Überhaupt gibt es zu den Geschehnissen in der Pogromnacht 1938 rund um die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße nur wenige und sich teils widersprechende Quellen. Einigkeit besteht jedoch darin, dass Polizeibeamte des Reviers 16 am Hackeschen Markt durch ihren couragierten Einsatz eine vollständige Zerstörung der Neuen Synagoge verhindern konnten.

Dass es innerhalb des Reviers 16 in den Zeiten des Nationalsozialismus Polizeibeamte gab, die sich auf direktem oder indirektem Wege den unmenschlichen Vorgaben der Regierung auf Reichs- und Landesebene widersetzten, steht außer Zweifel.

Über die Werte und Motive der dortigen Kollegenschaft lässt sich heute nur spekulieren. Ihre persönliche Haltung und ihr Bestreben nach Gerechtigkeit sowie ein Stück Menschlichkeit gehörten sicherlich zu ihren Hauptmotivationen. Diese Menschen waren bereit, der jüdischen Bevölkerung in jener schwierigen Zeit zu helfen, was das Revier 16 zu einer Einheit zusammengeschweißt hat. Es ist erfreulich zu sehen, dass diese Beamten in einem solch finsteren Kapitel deutscher Geschichte Tugenden wie Mut, Gerechtigkeit, Klugheit und Hilfsbereitschaft beibehalten haben, um denen zu helfen, die Hilfe benötigten.

Adresse

Oranienburger Str. 28-30
Berlin
10117

S-Bahn 1, 2, 25 (Oranienburger Straße) S-Bahn 5, 7, 9, 75 (Hackescher Markt) U-Bahn 6 (Oranienburger Tor) U-Bahn 8 (Weinmeisterstraße) Tram M1, M5 (Oranienburger Straße)

Öffnungszeiten

Montag 10:00 - 18:00
Dienstag 10:00 - 18:00
Mittwoch 10:00 - 18:00
Donnerstag 10:00 - 18:00
Freitag 10:00 - 18:00
Sonntag 10:00 - 19:00

Telefon

03088028316

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